Interviews mit aktuellen Spitzenathleten der Rodelszene

Wer seid ihr?

Hier starten wir nun eine neue Rubrik. Wir lassen aktuelle Spitzenathletinnen und Athleten aus den Bereichen Renn- und Sportrodeln zu Worte kommen.

Damit möchten wir etwas mehr bieten, als immer gleiche "Kurzdaten" zu Athleten und die Auflistungen erzielter Resultate. Wir sind überzeugt, dass es von Rodelsportlern viel mehr zu erfahren gibt. Damit der Sport fassbarer und lebendiger wird.

Die ersten Interviews finden Sie nun hier:

1.) Greta Pinggera, NB- Rennrodlerin. Vize- Europameisterin 2016, Weltmeisterin 2017!

2.) Patrick Pigneter, NB- Rennrodler. Gesamtsieger Weltcup 2016.

3.) Roman- Klaus Kaser, Weltmeister im Sportrodeln 2016

4.) Jack Leslie, Gesamtsieger im Rennrodel- Juniorenweltcup 2016

 

 

...

GRETA PINGGERA, neue Weltmeisterin im Rennrodeln 2017

Greta Pinggera zeigt uns ihre soeben gewonnene Weltmeister- Medaille 2017.
Bild: SOBE

Greta ist am 17.1.95 geboren. Wohnhaft in Laas (Vinschgau/ Südtirol). Aktuelle Vize- Europameisterin. Und: frischgebackene Weltmeisterin 2017 (per 4.2.17)!

 

  • Wo bist Du aufgewachsen? Hast Du Geschwister? Was waren Deine ersten Sportarten, die Du gerne und aktiv betrieben hast?

Ich bin in Laas (Vinschgau- Südtirol) als Jüngste von 3 Kindern aufgewachsen.
Meine Brüder heißen Willi (25) und Felix (23). Als ich 7 Jahre alt war, eröffnete mein Vater in meinem Heimatdorf eine Konditorei/ Caféhaus (Café Konditorei Greta). Wir Kinder mussten (heute sag ich „durften“) also schon früh im Betrieb mithelfen und wir wurden somit zu sehr fleißigen und selbstständigen Kindern erzogen.

  • Wie bist Du zum Rodelsport gekommen? Wer hat Dich motiviert, da einzusteigen?

Ich stamme aus einer „Sportfamilie“; jedoch war Ski Alpin die Disziplin, mit welcher wir als Kinder vertraut gemacht wurden. Mein Vater ist Skilehrer und er war viele Jahre als Trainer tätig. Meine Brüder fuhren von klein auf bei Rennen mit und so war auch ich bald an der Reihe. Meine „Skikarriere“ hielt aber nicht lange an. Ich fuhr Skirennen bis ich ca. 9 Jahre alt war. Dann habe ich das Rodeln für mich entdeckt. Neben Ski und später Rodeln war ich noch einige Jahre im Badmintonclub und beim Kunstturnen aktiv.

Ich bin heute froh darüber und stark der Meinung, dass man Kinder viele verschiedene Sportarten ausprobieren lassen soll, und sie nicht von Klein auf zu einer Sportart „zwingen“ soll. Wenn das Kind dann mit 10-12 Jahren entscheidet, dass ihm eine Sportart besonders gut gefällt, kann es sich in der Folge auf diese spezialisieren und ist oft besser und geschickter durch die vielen erlernten Sportarten, als eines, welches z.B. seit dem Kindergarten auf der Piste ist.
Neben den Sportvereinen, in welchen ich tätig war, hat mein Vater mit meinen Geschwistern und mir zusätzlich viel im Freien spielerisch trainiert. Wir gingen viel gemeinsam laufen und bauten dort immer wieder Parcours, Sprints, Sprünge, Wettläufe, balancieren auf Holzstämme usw. ein.

  • Auf welchem Gerät hast Du das Rodeln erlernt?

Rennrodel. In unserem Verein (Laas) gibt es keine Sportrodler. Habe das also auch nie ernsthaft probiert.

  • Auf welchen Bahnen hast Du erste Fahrten gemacht? 

In Laas, meiner Heim- Bahn in unserem Dorf.

  • Hast Du den Rodelsport sofort als einzige Disziplin betrieben oder hast Du weiterhin auch andere Sportarten ausgeübt?

Zum Rodelsport kam ich mit etwa 10 Jahren.
Dadurch, dass mein Bruder vom Skifahren eine Auszeit wollte, ging er einen Winter lang 3-mal wöchentlich mit dem Verein auf unsere Rodelbahn im Dorf zum Training. Ab und zu habe ich ihn dann begleitet und wollte das  auch versuchen. Nach diesem Winter ist er dann wieder auf die Skier zurückgekehrt und ich bin beim Rodeln geblieben. Anfangs machte ich es natürlich nicht ernsthaft, habe dann immer wieder Trainings geschwänzt, weil ich lieber mit meinen Freundinnen beim Spielen blieb. Ich kann mich erinnern, als ich einmal mit einer Freundin beim Schneemann bauen war und deshalb abends (wir trainierten immer abends bei beleuchteter Bahn) nicht zum Training wollte. Mein Vater erklärte mir dann, dass dies unhöflich sei, und man bei einer Sache dran bleiben muss, wenn man schon dabei ist. Ansonsten soll man es lassen. Von diesem Tag an ließ ich dann fast kein Training mehr aus. Es waren die ersten Jahre mehr Spaß als Ernst bei den Trainings. Es waren viele Freunde dabei und wir hatten mehr Lärm und Gelächter beim Hochgehen, als  dass wir uns beim Runterfahren konzentrierten. Ich wurde die ersten paar Jahre bei den Jugendrennen, die ich bestritt, immer verlässlich Letzte oder Vorletzte.  Der Weg nach vorne ging dann aber doch ziemlich schnell: Ich unterschied mich im Trainingsehrgeiz bald von meinen Vereinsfreunden und lief immer einmal öfter hoch als die anderen. Mein Ehrgeiz! Bald wurde ich immer besser, bis ich meinen ersten Podestplatz mit ca. 13 Jahren schaffte: Dritte bei den FIL-Jugendspielen in Garmisch. Nun wurden auch die Konkurrentinnen außerhalb meines Heimatvereins auf mich aufmerksam und ich gewann neue Freunde (und Feinde).  Als ich schlussendlich nach 3 Jahren Rodeln dieselben Resultate machte, wie jene die schon seit 10 Jahren rodelten (das war der Großteil), wusste ich, dass ich jetzt immer besser werden wollte und langsam wuchsen aus der Freizeitbeschäftigung meine ersten Ziele.
Ich wurde ein Jahr später ins Landeskader-Südtirol aufgenommen, als meine gleich starken Konkurrentinnen (es wurden nicht mehr als 3 aufgenommen und so wurde gegen mich entschieden). Dort wurde ich als erstes Mal richtig enttäuscht und meine Motivation zurückgeworfen. Trotzdem habe ich  nicht ans Aufgeben gedacht. Ich wurde dann die darauffolgende Saison einberufen und habe sie dann alle „überholt“. Üblicherweise ist man nämlich meist 3-5 Jahre im Landeskader; ich war jedoch plötzlich deutlich besser und gewann sehr oft auch in der älteren Kategorie. Ich muss dazu sagen, dass ich bereits sehr reif war und das Ganze ziemlich „fanatisch“ ausübte. Zu dieser Zeit war ich ca. 15 Jahre alt und besuchte die Sport- Oberschule Mals. Ich begann das ganze Jahr zu trainieren und machte neben den Trainings in der Schule abends auch noch eine Sondereinheit zu Hause.
Ich hatte (und habe oft immer noch) immer dieses Gefühl, dass es nicht reicht – ich muss noch mehr tun um noch besser zu werden. Dieser Perfektionismus ist oft anstrengend und ich wünschte, ich könnte das Ganze manchmal lockerer sehen. Doch wahrscheinlich ist dieser Ehrgeiz mein Schlüssel zum Erfolg  Ich bin von Natur aus nämlich nicht die geborene Sportlerin mit überschüssigem Talent. Es sind andere sehr oft besser bei versch. Sportarten. Doch ich probiere dann eben so lange, bis ich sie eingeholt habe und auch den „Ball ins Tor“ treffe. Wie jene, die es ohne Training können!
Zurück zu meiner sportlichen Laufbahn: Nach 2 Jahren und vielen Erfolgen im Europacup hieß es dann, ich würde das kommende Jahr (2012/13) für die italienische Nationalmannschaft starten. Ich wollte das am Anfang nicht verstehen und bat meinen damaligen Trainer, dass ich noch ein Jahr im Landeskader bleiben dürfte. Ich hatte dort meine gleichaltrigen Freunde und wir hatten so eine schöne Zeit zusammen. Nationalmannschaft und Weltcup waren große Worte für mich, über welche ich überhaupt noch nie nachdachte. Meine größte Angst waren aber die „erwachsenen“ Teamkollegen. Ich war 17 und damit deutlich jünger als der Rest des Teams, welche teilweise um die 30 waren. Die ersten Sommertrainings gemeinsam war ich schon ziemlich zurückhaltend und wollte, dass dieser bevorstehende Winter niemals kommt. Doch ich hatte mich dann, wenn die Saison losging, bald gut eingelebt und mich wohl gefühlt bei den „Alten“. Und heute, 4 Jahre später, sehe ich mein Team als meine Winterfamilie und ich mittendrin mit dem lautesten Kommando. Meine erste Weltcupsaison fuhr ich ganz unbekümmert drauflos: niemand erwartete etwas von mir und ich hatte mir vorerst überhaupt keine konkreten Ziele gesetzt. Ich fuhr gleich konstant um die Podestplätze mit und damit verlor ich dann auch meine unbekümmerte und lockere Haltung. Als ich verstand, dass ich nun zur „Weltspitze“ im Naturbahnrodeln gehöre, begann ich, mir selbst Druck zu machen und wollte immer mehr. Diese Haltung hindert mich sehr oft, bessere Resultate zu fahren. Meine größte Schwäche spielt sich also im Kopf ab. Ich mache mir sehr oft unnötigen Druck und kann so nicht mehr locker drauflos fahren. Seit 1,5 Jahren arbeite ich mit einer Mentaltrainerin zusammen, welche mir sehr dabei hilft, diesem Stress entgegenzuwirken. Ich sehe die Fortschritte und hoffe, dass mein Kopf es endlich zulässt, auch öfters zu gewinnen.

  • Was hat Dich in den ersten Jahren angetrieben, beim Rodelsport zu bleiben? Freunde, Verwandte, Bekannte, Trainer?

Der Spaß beim Training mit Freunden!

  • Wie haben sie das geschafft bei Dir? Rodeln gilt doch eher als Randsportart und man kann damit nur sehr schwierig medial bekannt, geschweige denn „reich“ werden.

Als Kind dachte ich an diese Sachen nicht, ich hab es einfach gemacht, weil es mir Spaß machte. Ich habe damals auch nie soweit gedacht, eines Tages im Weltcup mitfahren zu wollen. Ich dachte dort einfach von Rennen zu Rennen und wusste meist nicht mal, wo das Rennen am nächsten Wochenende stattfinden würde!

  • Hattest Du in Deiner bisherigen Rodel- Laufbahn schon ernsthafte Krisen?

Es gibt manchmal Tiefpunkte, bei denen man sich fragt, ob sich der ganzjährige und intensive Aufwand überhaupt lohnt. Doch dadurch, dass bei uns im Südtirol der Sport schon bekannt ist, freut es mich immer wieder, wenn mich Menschen erkennen und mir zu meinen Leistungen gratulieren. Es ist schön, wenn auch fremde Leute Interesse zeigen.

  • Verletzungen oder Momente, wo Du aus andern Gründen aufhören wolltest?

Ernsthafte Krisen und ans Aufhören habe ich bis jetzt noch nie gedacht, wobei ich nicht bis 30 rodeln möchte, wie es viele Frauen machen. Ich denke, mit Mitte 20 will ich dann andere Ziele verfolgen, aber das hängt auch davon ab wie es mit unserem Sport weitergeht.  Ich hatte noch nie eine ernsthafte Verletzung.

  • Wenn man Dir für einen Winter lang 3 Mädchen und 3 Jungs (alle 12 jährig) anvertrauen würde, um sie zu Rodelathleten zu formen, wie würdest Du dabei vorgehen, wenn Geld und Zeit (der Athleten) keine Rolle spielen würden und Geräte nach freier Wahl zur Verfügung stünden?
  • Wie sähe Dein „Team“ Ende dieses Testwinters aus? Was wären die Hauptstärken, die Du ihnen vermitteln würdest?

(Nicht direkt beantwortet. Evtl. sind Antworten gemeinsam mit Patrick entstanden. Siehe Folge- Interview!))

  • Was sind Deine Hauptstärken. Weshalb fährst Du aufs Podest und andere nicht?

Ganzjähriger Fleiß und Ehrgeiz: Ich betreachte meinen Sport als professionell und übe ihn auch so aus. Wir trainieren fast gleich oft wie andere Sportler, die davon leben und deren Beruf es ist. Sicherlich ist ein großer Verdienst für unsere Erfolge auch dem Verband bzw. dem Team zuzurechnen. Es wird im Winter von Trainern und Verband viel investiert, um uns die bestmöglichen Trainingsmöglichkeiten und beim Rennen das beste Material zu bieten.

  • Wieviel Zeit wendest Du für materielle Fragen auf, wieviel für athletische?

Wir Mädels machen unser Material nicht selbst. Jede von uns hat einen Servicemann, welche zusätzlich Trainer des Teams ist. Das Einzige, was wir machen müssen, ist den Servicemännern das nötige Feedback geben.
Dies fällt mir oft sehr schwer, weil ich das als Kind im Verein nie gelernt habe. Ich verstehe dann sehr oft nicht, ob nun eine Schiene anders läuft als die andere – dies ist manchmal ein Problem. Denn mein Servicemann hat dann oft keine Orientierung. Ich rate deshalb, die Kinder von Beginn an  mit dem Material, auf welchem sie fahren, vertraut zu machen. Sie auch oft bei der Präparierung der Schienen dabei zu haben, damit sie ihr Material besser kennenlernen. Ihnen Fragen zum Material zu stellen. Zum Beispiel: „ist diese oder die andere Schiene feiner einzulenken...?“ Das sind Dinge, die meine Vereinstrainer „verschlafen“ haben und worunter ich manchmal schon zu leiden habe.

Aufwand bei mir: 95% Athletik, 5% Material.

  • Wie wirst Du von Deinem Club und Landesverband unterstützt? Musst Du viel Eigenes (ausser Zeit und Geld) aufbringen, um die nächste Saison wieder zuvorderst zu sein?

Mit dem Dorfverein selbst habe ich nicht mehr sehr viel zu tun. Anfangs wurden oft Ehrungen organisiert, doch leider schätzt man die Erfolge mittlerweile nicht mehr so wie am Anfang. Ich muss für die Benützung der Trainingsanlagen im Dorf bezahlen (wobei das auch bei meinen Teamkollegen teilweise der Fall ist  - Naturbahnrodeln ist eben für viele "nur" NB- Rodeln...!  Vom Landesverband werde ich auch nicht unterstützt Das werden nur die Top- Wintersportler,  z.B. von Ski Alpin oder Biathlon.
Die Kosten der Trainingsfahrten, welche ich im Winter außerhalb des Nationalteams mache, werden nach wie vor vom Dorfverein übernommen. Meistens sind wir aber mit der Nationalmannschaft unterwegs und dort werden die meisten Kosten vom italienischen Wintersportverband übernommen (außer Material, Servicemann und Benzinkosten).

  • Weshalb fahren so wenige Südtiroler Rodelathleten in Rollenrodelbewerben? Was spricht dagegen aus Deiner eigenen Sicht? Was dafür?

Rollenrodeln finde ich an sich ein gutes Ausgleichstraining im Sommer. Der Grund warum ich es nicht mache, ist die fehlende Zeit! Ich absolviere momentan die Konditoren- Lehre und arbeite durchschnittlich 10 Stunden täglich. Im Winter werde ich vollständig freigestellt. Daneben muss ich natürlich das tägliche Konditionstraining machen und so bleibt mir keine Zeit mehr für das Rollenrodeln. Würde es für mich möglich sein, das Rodeln als Vollprofi zu betreiben, würde ich sicherlich an den Rollenrodelbewerben teilnehmen. Der Grund, dass es im Südtirol allgemein nicht so viel betrieben wird, ist wahrscheinlich die fehlende Popularität und Unterstützung.
Weiters reagiert eine Rollenrodel auf Teer anders als die Schienen auf dem Eis – dadurch ist die Belastung auf dieser Rodel eine andere als im Winter. Oft wird auch dies (von Trainern) als Begründung hergenommen, weil man sich so die falsche Haltung für das Rodeln auf Eis aneigne.

  • Kann man Dich in einer sinnvollen Art unterstützen, damit Du Deine Ziele erreichen kannst. Hast Du ein „Sponsorenkonto“?  Gäbe es für Dich einen Sponsor, den Du als „ideal“ für Deinen Sport empfinden würdest, der aber noch nicht „dabei“ ist?

Vergangenen Sommer arbeitete ich in St. Moritz in einem Hotel. Ich habe dort viele Schweizer Freunde und Fans für mich gewonnen, welche dann beschlossen, einen Greta-Fanclub  zu  gründen. Seither ist es für alle Einzelpersonen (auch ohne Firma oder Sponsoringvertrag) möglich, mich finanziell etwas zu unterstützen. Es werden Sticker um jeweils 50 CHF verkauft und ich muss sagen, bei meinen Schweizer Fans ist Einiges zusammen gekommen: CHF 2300.- wurden mir im März überreicht.  Das Geld nutze ich nun, um meine Mentaltrainerin und die Kosten für den Kraftraum zu finanzieren.
Im Prinzip sind alle Sponsoren für unseren Sport „ideal“. Letzten Sommer versuchte ich einige Kontakte zu knüpfen, um ein Schweizer Unternehmen als Kopfsponsor zu bekommen. Neben der finanziellen Unterstützung hatte ich auch den Hintergedanken, meinen Sport in der Schweiz weiter zu verbreiten. Leider hat das mit dem Sponsor nicht ganz funktioniert. Doch einen kleinen Schritt erreichte ich zumindest dadurch, dass man jetzt wenigstens neben eurer Gegend (Berner Oberland) auch in St. Moritz weiß, was NB- Rodeln istJ!
Neben dem Fanclubgeld habe ich als „Rodeleinkommen“ meinen Kopfsponsor „Laaser Marmor“. Dazu kommen die Preisgelder, welche ich beim Rodeln verdiene.

  • Mit welchen Worten würdest Du unsere Jungen antreiben, diesen Sport auszuüben?

Genießt die Zeit, welche ihr mit eurem Team verbringen dürft! Andere Kinder haben oft nicht die Möglichkeit, in neue Orte zu kommen und wenn man dann einmal bei internationalen Rennen mitfahren darf, sieht man auch ziemlich viel von der Welt! Diese Zeiten und Reisen sind unvergesslich! Neben dem Spaß und der Gesundheit, die dieser Sport bringt, ist Sport im Allgemeinen eine Lebensschule.

Ich wäre ohne Sport nicht die Person, welche ich heute bin. Der Sport bildet mich, macht mich ehrgeizig und kämpferisch, selbstständig und teamfähig. All die Fähigkeiten braucht man dann das ganze Leben lang. Sie helfen einem immer wieder weiter.

Sind die Kinder überzeugt, dass sie diesen (oft schweren, emotionalen) Weg nicht gehen wollen, sollen sie sich nicht von Eltern oder Trainern dazu zwingen lassen. Wobei man das als Erzieher manchmal  auch nicht zu eng sehen sollte... denn Kinder wollen natürlicherweise oft jeden Tag was anderes.

 

 

Anmerkung des HP- Administrators:

Die Hervorhebungen in Fettschrift wurden nicht durch Greta erstellt. Ich danke Dir, Greta, für die Antworten zu diesem Interview. Ich wünsche Dir im Namen aller Fans unserer HP für die kommenden Jahre noch die verdienten sportlichen Erfolge und nur das Beste auf dem privaten und beruflichen Lebensweg! 

Alex Elsässer, SSN.

Greta Pinggera am Weltcup 2015/16 in Kühtai. Eleganter kann man nicht rodeln! WK- Photo.

PATRICK PIGNETER,Weltmeister/ WC- Gesamtsieger 2016 im Rennrodeln

Patrick Pigneter aus Völs.
Foto Hermann Sobe

Patrick ist am 19.7.87 geboren und wohnt in Vols am Schlern (Südtirol). Seine bisherigen Erfolge sind schier unfassbar. Deshalb hier nur: er ist der aktuelle Europa- und Weltmeister im Naturbahn- Rennrodeln. 

Dass er ganz vorne bleiben wird, daran zweifeln wir keine Sekunde. Seine Disziplin, sein Ehrgeiz und seine Technik lassen nichts anders zu!

 

Antworten auf den Fragebogen – von Patrick Pigneter

  • Wo bist Du aufgewachsen? Hast Du Geschwister? Was waren Deine ersten Sportarten, die Du gerne und aktiv betrieben hast?

Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof in Völs am Schlern, wo ich auch immer noch lebe. Völs am Schlern befindet sich in der Ferienregion Seiseralm, oberhalb von Bozen. Habe eine jüngere Schwester (Marina). Meine erste Sportart die ich gelernt habe war Ski Alpin, womit ich mit 5 Jahren begonnen habe.

  • Wie bist Du zum Rodelsport gekommen? Wer hat Dich motiviert, da einzusteigen? Auf welchem Gerät?
  • Auf welchen Bahnen hast Du erste Fahrten gemacht? 

Bereits mit 8 Jahren habe ich dann mit Rodelsport begonnen. Mein Vater war selbst Naturbahnrodler (Weltmeister im Doppelsitzer), zu dieser Zeit hatte er seine Karriere bereites beendet und war Trainer im italienischen Nationalteam. Manchmal durfte ich mit ihm zum Zuschauen mit auf die Strecke. Natürlich wollte ich nicht nur zuschauen, sondern es gleich selbst ausprobieren. Begonnen habe ich direkt mit dem Rennrodel auf der Rodelbahn "Tuffalm" in meinen Heimatdorf. Aus Schneemangel gibt es diese Bahn heute leider nicht mehr. Neben dem Rodelsport übte ich in Winter auch noch etwas Ski Alpin aus und lernte auch noch das Snowboarden. Mein Hauptaugenmerk galt aber zu 95% dem Rodelsport.

  • Hast Du den Rodelsport sofort als einzige Disziplin betrieben oder hast Du weiterhin auch andere Sportarten ausgeübt?
  • Was hat Dich in den ersten Jahren angetrieben, beim Rodelsport zu bleiben? Freunde, Verwandte, Bekannte, Trainer?

Wie schon vorher geschrieben, bin ich durch meinen Vater zum Rodelsport gekommen, aber er hat nie gesagt ich muss oder soll das machen. Es war ganz meine Entscheidung. In unserem Sportverein ASV Völs am Schlern hat der Rodelsport schon eine lange Tradition mit mehreren Weltmeistern und Europameistern. Auch das hat natürlich dazu beigetragen, diesen Sport auszuüben. Ob man von einem Sport reich werden kann, denkt man im Kindes- bzw. Jugendalter noch nicht. Die Hauptsache war einfach, dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat! Dazu kam noch, dass wir in unserem Verein von Trainern gut betreut worden sind und mehrere Kinder im gleichen Alter waren, die sich gegenseitig angespornt haben. Medial muss ich sagen sind wir in Südtirol sehr gut präsentiert und können mit den "bekannteren" Sportarten, mithalten.

  • Hattest Du in Deiner bisherigen Rodel- Laufbahn schon ernsthafte Krisen?
  • Verletzungen oder Momente, wo Du aus andern Gründen aufhören wolltest?

Wie sonst auch im Leben gibt es auch im Sport immer wieder Krisen. Meine "Krise" hat ich so wie bei vielen Sportlern im Alter zwischen 15 / 16 Jahren geäussert, wo andere Sachen wie Freunde, Ausgehen usw. wichtiger wurden. Damals habe ich auch daran gedacht, mit dem Sport aufzuhören. Das hat man auch deutlich an den sportlichen Erfolgen gemerkt. Habe mich dann entschieden weiterzumachen. Von diesem Moment an, ging meine Erfolgskurve steil nach oben! 
Mit Glück, muss ich sagen, dass ich mich bis auf kleine Prellungen noch nie verletzt habe. 

  • Wenn man Dir für einen Winter lang 3 Mädchen und 3 Jungs (alle 12 jährig) anvertrauen würde, um sie zu Rodelathleten zu formen, wie würdest Du dabei vorgehen, wenn Geld und Zeit (der Athleten) keine Rolle spielen würden und Geräte nach freier Wahl zur Verfügung stünden?
  • Wie sähe Dein „Team“ Ende dieses Testwinters aus? Was wären die Hauptstärken, die Du ihnen vermitteln würdest?

Das wäre eine tolle Herausforderung! 
Als erstes möchte ich den Kinder beibringen, dass sie einen Sport für sich ausüben und nicht weil es sich Eltern, Trainer, Verein wünschen. Der nächste Punkt ist, dass der Spaß im Mittelpunkt steht. Ein weiterer Punkt ist das man ein Ziel vor Augen hat, dass aber in diesem Alter mehr in meinem Kopf als Trainier vorhanden ist und den Athleten nicht direkt übermittelt wird. Sollte das Ziel sein, einen Top Rennrodler (Naturbahn) aus diesen Athleten zu formen, tut es auch nichts zur Sache ob ich bis 13 Jahren mit einer Sportrodel oder Rennrodel trainiere. Die Technik ist sehr ähnlich und das Gefühl für die Rodel erlerne ich auch auf einer Sportrodel. Wenn ich jetzt aber aussuchen könnte, würde ich dennoch die Rennrodel bevorzugen. 
Punkte die ich den Kindern noch übermitteln würde, ist die richtige Technik auf der Rodel. Bremsen und die richtige Kurvenlinie. Die Geschwindigkeit ist noch nicht so wichtig! Das kommt dann von alleine.

  • Was sind Deine Hauptstärken. Weshalb fährst Du aufs Podest und andere nicht?

Meine Hauptstärken, würde ich sagen bestehen sicherlich aus mehrere Komponenten wie Talent, Ehrgeiz, Fitness, Material. Dazu noch, dass ich den Sport seit 1995 ausübe und bereits im Kindesalter richtig betreut wurde mit Material und Technik.

  • Wieviel Zeit wendest Du für materielle Fragen auf, wieviel für athletische?

Wieviel ich für materielle bzw. athletische Fragen aufwende, variiert von Jahr zu Jahr. Sehr schwierig zu sagen.

 

  • Wie wirst Du von Deinem Club und Landesverband unterstützt? Musst Du viel Eigenes (ausser Zeit und Geld) aufbringen, um die nächste Saison wieder zuvorderst zu sein?

Von meinem Club wurde ich vorallem in der Jugendzeit unterstützt. Mit 15 Jahren schaffte ich es in den Landesverband und seit ich 17 Jahre alte bin, bin ich in der Nationalmannschaft. Das Sommertraining absolviere ich zu 95%  selber, was aber kein Nachteil ist. Das Wintertraining absolvieren wir zu 95% mit dem Team. Die Kosten für Wettkämpfe, Training, Trainer, Unterkunft, Verpflegung übernimmt alle der Nationalverband. Ich muss sagen dass ich wenig direkte Spesen habe, bis auf Materialspesen und einige Benzinspesen. Was dazu kommt ist aber, dass alle von uns Naturbahnrodlern im Sommer noch einem Beruf nachgehen. Ich z.B. arbeite von April - November im Betrieb meines Vaters.  So kann ich mir das mit den Sommertraining gut einteilen. Im Winter bin ich dann Vollprofi und konzentriere mich nur noch auf das Rodeln.

  • Weshalb fahren so wenige Südtiroler Rodelathleten in Rollenrodelbewerben? Was spricht dagegen aus Deiner eigenen Sicht? Was dafür?


Warum ich selber nicht an vielen Rollenrodelrennen teilnehme ist ein Mix aus mehreren Gründen. Erstens: wenn ich im Sommer bei den Wettkämpfen mithalten möchte, müsste ich wiederum viel Zeit für Training, Wettkämpfe und Material investieren. Dann kommt noch hinzu,  dass wenn ich vorne mitfahren will, sich meine Technik und  Kurvenlinie im Gegensatz zum Winter verändert, was natürlich nicht gut wäre. Dazu wird das Rollenrodeln von unseren Verband  (Italien) nicht unterstützt. Ich habe auch keine geeignete Trainingsstrecke.
Persönlich finde ich das Rollenrodeln  aber gut. Besonders dann, wenn man auf die Technik achtet. Kinder können die Technik für den Winter mit den Rollenrodeln gut erlernen, auch z.B. Athleten die ihre Technik verändern wollen, haben im Sommer die Möglichkeit daran zu arbeiten. Ich absolviere das Rollenrodeltraining, ab Mitte August um das Gefühl auch der Rodel nicht zu verlieren und um beim ersten Eistraining wieder schnell mit der Rodel vertraut zu sein.

  • Kann man Dich in einer sinnvollen Art unterstützen, damit Du Deine Ziele erreichen kannst. Hast Du ein „Sponsorenkonto“ (Du darfst es hier benennen mit allen nötigen Daten).  Gäbe es für Dich einen Sponsor, den Du als „ideal“ für Deinen Sport empfinden würdest, der aber noch nicht „dabei“ ist?

Auch wenn es in unserem Sport nicht oder noch nicht "Olympia" gibt, kann man dennoch Einiges erreichen, wenn man sich Ziele setzt, an diese glaubt und verfolgt. Herausforderungen annimmt und dafür kämpft. Einige Beispiele z.B. aus meinem Sportlerleben: Ich wage zu behaupten der Sport hat in Südtirol auch durch meine Erfolge eine höheren Stellenwert bekommen, ist medial auch mittlerweile sehr gut vertreten. Dadurch haben sich für mich auch andere Türen aufgemacht, so dass ich es mittlerweile auch schaffen würde, nur vom Naturbahnrodelsport zu leben. Früher hat es immer geheißen, das sei nie und nimmer möglich! Es war aber mein Ziel, für das ich hart darauf hingearbeitet habe und jetzt geschafft habe. Dafür habe ich zum Einsitzer auch den Doppelsitzer Bewerb hinzugenommen. Auch da hieß es: es wird nicht möglich sein, in beiden Disziplinen gut zu sein... Auch das war für mich eine Herausforderung die ich annahm und daran arbeitete. Auch das habe ich geschafft.

  • Mit welchen Worten würdest Du unsere Jungen antreiben, diesen Sport auszuüben?

 

Ich würde den Jungen sagen: "Habt Spaß an der Sache und geht positiv durch das Leben! Auch nach Rückschlägen wieder nach vorne schauen! Das Gute mitnehmen und daraus stärker wieder herauskommen. Habt immer ein realistisches Ziel vor Augen, glaubt und arbeitet daran. Dann werdet ihr es auch erreichen!"

 

Anmerkung des HP- Administrators:

Die Hervorhebungen in Fettschrift wurden nicht durch Patrick erstellt. Ich danke Dir, Patrick, für die umfangreichen Antworten zu diesem Interview. Ich wünsche Dir im Namen aller Fans unserer HP für die kommenden Jahre noch die verdienten sportlichen Erfolge und nur das Beste auf dem privaten und beruflichen Lebensweg! Wir verfolgen Deine weitere Laufbahn mit Interesse! Mögest Du und Deine Greta (für Uneingeweihte: die beiden sind ein Paar) noch viele gute Erfolge "auf Eis" erleben dürfen. Und viele Junge inspirieren, den Sport auszuüben!

Alex Elsässer, SSN.

Sein Lächeln zeigt an, dass es wieder mal gereicht hat zum Sieg:
Patrick Pigneter, Weltmeister und aktueller WC- Gesamtsieger. Photo von Hermann Sobe.

Parallelen und Schnittpunkte

Die Interviews mit Greta und Patrick sind überaus spannend und zeigen interessante Aspekte auf. Nicht überraschend sind Faktoren wie "sportliche Vorbilder" und Familienkonstellationen. Bei beiden lag die Wahl zum Rodelsport auch geographisch sehr nahe, da es Bahnanlagen und Clubs im nahesten Umfeld gab. Dies scheint im Kindes- und Jugendalter entscheidend zu sein. Lange Reisen zu Trainings sind nur in sehr seltenen Fällen eine gute Voraussetzung, um einen Sport anzugehen.

Für uns Schweizer bemerkenswert ist immer wieder, dass Südtiroler nur in geringer Anzahl am RoRo- Cup (ÖRV) teilnehmen. Die beiden nennen interessante Gründe dafür. Der italienische Nationalverband (aber auch einige italienische Clubs), befördern diese Disziplin nicht aktiv. Es gilt hierbei aber zu bedenken, dass sie natürlich die Sache "vom andern Ende" her betrachten und mit Athleten arbeiten dürfen, die von Kindesalter an auf Rennrodel unterwegs sind; da könnte man durchaus Gründe finden, das höhere Driftverhalten des Rollenrennrodels als negativ zu beurteilen, was ja auch benannt wird. Wir aber nehmen mangels Eisbahnen den Weg "von unten" und nutzen Geräte und Bahnen, die wir für den Aufbau halt haben. Das muss logischerweise mit dem Sportrodel beginnen und häufigst mit der Schneebahn. Driften kennen wir somit von Anfang an. Das Rollenrodeln ist die nächste Steigerungsform, weil das Gerät nun dem Zielgerät entspricht. Der letzte Schritt wird dann dieses Gerät auf Eis sein. Dort erlernen wir dann noch das Fahren ohne Drifteffekt. 

Dass also die beiden (und etliche Südtiroler) nicht Rollenrodeln, heisst für uns nicht, dass es der falsche Weg sei, sondern dass die beiden diesen Weg dank besseren Voraussetzungen nicht zu nehmen brauchten.

ae

ROMAN- KLAUS KASER, Weltmeister im Sportrodeln 2016

Weltmeister im Sportrodeln 2016 in Oberperfuss: Roman Kaser.

Roman ist der aktuelle Weltmeister im Naturbahnrodeln. Er wohnt in Lüsen (Südtirol). Seine absolut unschlagbare Bescheidenheit und Natürlichkeit machen ihn zu einem Vorbild für den Naturbahn- Rodelsport schlechthin! Er ist ein Vollblutrodler, der nicht abwägt und taktische Spielchen macht, sondern nur eines kennt: Vollgas mit Herzblut! Wir gönnen ihm eine weiterhin erfolgreiche Zukunft ebenfalls von Herzen!

 

  • Wo bist Du aufgewachsen. Hast Du Geschwister? Was waren Deine ersten Sportarten, die Du gerne und aktiv betrieben hast?

Ich bin mit meinen Schwestern Stefanie (24) und Martina (22) und mit den Eltern in Lüsen, neben Brixen aufgewachsen und lebe noch dort. Von Klein auf bis heute sitze ich am liebsten auf der Sportrodel. Zwischendurch war ich bei den Kunstbahnrodlern, habe das Sportrodeln jedoch nie vergessen und bin gerne zum Sportrodeln zurückgekehrt. Weiters habe ich für einige Jahre Fußball  gespielt.

  • Wie bist Du zum Rodelsport gekommen. Wer hat Dich motiviert, da einzusteigen? Auf welchen Bahnen hast Du erste Fahrten gemacht?  Hast Du den Rodelsport sofort als einzigen betrieben, oder hast Du weiterhin auch noch andere Sportarten ausgeübt?

Ich bin sozusagen in den Sportrodelsport hineingeboren. Früher fuhr mein Vater selber bei den Rennen mit. Als wir Kinder gekommen sind, hat er seine Karriere aufgegeben um voll und ganz für uns da zu sein, sowohl als Trainer, als auch um unsere Rodel zu präparieren. In den ersten Jahren durfte ich nur auf der Bahn in Petschied (Lüsen) fahren, weil ich für die Teilnahme an den Rennen noch zu klein war. Das erste Dorfrennen bestritt ich mit 3 Jahren. Anfangs war ich im Winter auf der Rodelbahn und im Sommer auf dem Fußballplatz. Seit ich 10 Jahre alt bin befinde ich mich nicht mehr auf dem Fußballplatz, da das Interesse, weiterzumachen, fehlte.

  • Dein Sieg in Oberperfuss (WM 2016) war genial und hart erkämpft! Hast Du den Unterschied an einer speziellen (geplanten) Stelle, also taktisch, gesucht, oder bist Du einfach cooler geblieben und kannst nicht genau sagen, wo andere auf Dich verloren haben?

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Die Bahn in Oberperfuss war für mich bis zum Freitag des Rennwochenendes unbekannt, aber sie ist sehr schnell, die Kurven folgen Schlag auf Schlag und ich denke, dass mir diese Art von Bahn besonders liegt.

  • Hattest Du in Deiner bisherigen Rodel- Laufbahn schon ernsthafte Krisen? Verletzungen oder Momente, wo Du aus andern Gründen aufhören wolltest?

Ernsthafte Krisen gab es bis jetzt zum Glück noch nicht. Es gab schon leichte Verletzungen wie Knöchelprellungen und Rückenprobleme, durch welche ich gezwungen war, einige Wochen zu pausieren, aufhören kam jedoch nie in Frage.

  • Wenn man Dir für einen Winter lang 3 Mädchen und 3 Jungs (alle 12 jährig) anvertrauen würde, um sie zu Rodelathleten zu formen, wie würdest Du dabei vorgehen, wenn Geld und Zeit (der Athleten) keine Rolle spielen würden und Geräte nach freier Wahl zur Verfügung stünden?
  • Wie sähe Dein „Team“ Ende dieses Testwinters aus? Was wären die Hauptstärken, die Du ihnen vermitteln würdest?

Meiner Meinung nach sollte jeder Athlet mit einer Standardsportrodel anfangen, so dass die Jugendlichen ein Gefühl fürs Rodeln bekommen. Erst dann sollte mit der Bearbeitung der Rodel und der Schienen, bezogen auf den jeweiligen Athleten, begonnen werden. Wenn die Jugendlichen die grundlegenden Fertigkeiten, Kurven anbremsen und Einlenken, beherrschen würde ich mit der Verfeinerung der Linie fortfahren. Erst sobald die Linie sitzt wäre mein nächster Schritt die Athleten dazu ermutigen, von Lauf zu Lauf weniger zu bremsen. Ein zentraler Baustein meines Trainings wäre der Spaß, denn schließlich ist das Sportrodeln eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung und nicht eine reine Wettkampfsportart.

  • Was sind Deine Hauptstärken. Weshalb fährst Du aufs Podest und andere nicht?

Obwohl  ich noch jung bin habe ich schon über 15 Jahre Erfahrung auf der Sportrodel.  Dies unterscheidet mich sicher von den meisten gleichaltrigen Athleten. Ich denke, dass ich, während ich auf der Rodel sitze, nicht nachdenke, sondern mich voll und ganz auf mein Gefühl verlasse, das bringt mich nach vorne.

  • Wie viel Zeit wendest Du für materielle Fragen auf, wie viel für athletische (in Prozentaufteilung, ganz kurz).

Die materiellen Fragen behandelt größtenteils mein Vater, so dass ich mich auf das Training/Rennen konzentrieren kann. Zwischen den normalen Trainings gibt es dann schon Trainingseinheiten, bei denen wir nur Schienen und deren Einstellungen testen, aber da sich mein Vater hierbei um Einiges besser auskennt, übernimmt er diese Arbeit, wobei ich ihm die fahrtechnischen Informationen liefere.

  • Wie wirst Du von Deinem Club und Landesverband unterstützt? Wie viel musst Du  aufbringen, um die nächste Saison wieder zuvorderst zu sein?

Vom Landesverband werde ich gar nicht unterstützt, von meinem Heimatverein werden die Start- und Trainingsgelder zur Verfügung gestellt und insofern eines oder mehrere Rennen außerhalb von Südtirol ablaufen bekomme ich auch dafür einen Teil der Kosten ersetzt. Je nachdem, ob auch die Anschaffung einer neuen Rodel notwendig ist, werde ich für Schienen samt Schleifen, Wachs und diversen Geräten zur Nachbereitung der Schienen zwischen 1000-1500€ ausgegeben.

  • Weshalb fahren so wenige Südtiroler Rodelathleten in Rollenrodelbewerben? Was spricht dagegen aus Deiner eigenen Sicht? Was dafür?

Woran das allgemein liegen könnte weiß ich nicht.  Ich sehe nur bei mir, dass man viel Zeit und Energie in die Wintersaison investieren muss, um vorne dabei zu sein und man müsste sicher auch für das Rollenrodeln ähnlich viel Zeit aufbringen. Da schon die Wintersaison sehr intensiv ist, wäre es schwierig, sich ebenso ausgiebig mit dem Rollenrodelsport zu beschäftigen. Dies dann noch mit der Arbeit/Schule unter einen Hut zu bringen gestaltet sich schwierig.

  • Für uns Schweizer: welche Bahn im Südtirol würdest Du uns empfehlen, um möglichst viele technische Abläufe erlernen zu können. Welche ist Deine Lieblingsstrecke?

Meiner Meinung nach ist die Bahn in Campill (Gadertal) die beste Bahn für Training, denn da gibt es sowohl steile, schnelle Kurvenkombinationen, wo man den kürzesten Weg suchen muss, als auch flache Kehren, wo sich alles darum dreht, so viel Schwung wie möglich mit auf die Gerade zu nehmen. Absolute Lieblingsbahn habe ich keine, da für mich das Wichtigste ist, auf der Rodel sein zu dürfen, egal wo.

  • Mit welchen Worten würdest Du unsere Jungen antreiben, diesen Sport auszuüben?

Von meiner Seite kann ich nur sagen, wer eine sinnvolle und gesunde Freizeitbeschäftigung sucht, ist beim Sportrodeln genau richtig, denn dies ist eine Sportart, bei der weder Spaß, noch technische und athletische Aspekte zu kurz kommen.

 

Anmerkung des HP- Administrators:

Die Hervorhebungen in Fettschrift wurden nicht durch Roman erstellt. Ich danke Dir, Roman, für die Antworten zu diesem Interview. Ich wünsche Dir im Namen aller Fans unserer HP für die kommenden Jahre noch die verdienten sportlichen Erfolge und nur das Beste auf dem privaten und beruflichen Lebensweg! 

Alex Elsässer, SSN.

Weltmeisterliche Zielkurvenfahrt von Roman Kaser an den WM 2016 in Oberperfuss. Der Mann fährt cool, "gelassen" und auf der richtigen Linie! Athletische Kraft und guten Instinkt hat er ohne Ende.

JACK LESLIE (NZL), Junioren- Gesamtsieger im Rennrodel- Weltcup 2016

Jack Leslie (rechts) erlernt als Junior auch viel über Präparation von Patrick Pigneter (Mitte). Bild von Hermann Sobe.

Eine besondere Freude macht uns nun Jack Leslie, den wir bereits den ganzen Winter lang resultatmässig "verfolgt" haben. Er darf als bisher bester neuseeländischer Rennrodler bezeichnet werden und gewann in der letzten Saison den Junioren- Gesamtrang 1 !

Für die Fragen in Englisch möge man mir Fehler in Formulierungen verzeihen...

Ich danke speziell auch Geoff Balme, dem Präsidenten der New Zealand Olympic Luge Association für die Vermittlung und Bewilligung des Interwiews mit Jack!

 

HIER DAS INTERVIEW MIT JACK LESLIE:

  • Wo bist Du aufgewachsen? Hast Du Geschwister? Was waren Deine ersten Sportarten, die Du gerne und aktiv betrieben hast? Wo lebst Du heute?

Where did you grow up? Do you have sisters/ brothers? What have been the first sports- disciplines you learned?

I grew up in Christchchurch, New Zealand and am still living there today. I have a younger sister Olivia who is 17 years of age. When I was 6 I started to play rugby and softball and then when I turned 10 I stopped playing softball and started to play cricket and to this day I still play rugby and cricket. Every coach instilled in me the values of teamwork and to get results you have to work hard at it.

Bin in Christchurch aufgewachsen und lebe immer noch dort. Habe eine 17 jährige Schwester, Olivia. Mit 6 Jahren begann ich mit Rugby und Softball. Mit 10 begann ich mit Cricket und hörte mit Softball auf. Auch heute noch spiele ich also Rugby und Cricket. Alle meine Trainer haben mir eingepflanzt, dass Teamwork und hartes Arbeiten zum Erfolg führt.

  • Wie bist Du zum Rodelsport gekommen. Wer hat Dich motiviert, da einzusteigen? Auf welchem Gerät? Auf welchen Bahnen hast Du erste Fahrten gemacht?

Who / what brought you to Luge- Sports? What was your motivation? Did you  start on Sportrodel or on Rennrodel? On wich tracks did you learn the sport?

8 years ago some family friends of ours invited us down to Naseby where the only natural track in the Southern Hemisphere was being built. During the winter there was a luge camp being run and I took part and for the past 8 years I have gone back and taken part ever since, also for the past two years I have been helping out with coaching the younger kids. We only have a 360m track but it is good to get people started.

 Vor 8 Jahren (da war ich also 11) luden uns Freunde ein nach Naseby (Südinsel), wo es die bisher einzige Rodelbahn der südlichen Welthalbkugel gab. Es wurde dort ein Trainingslager organisiert, an dem ich, wie alle folgenden Jahre teilnahm. Seit zwei Jahren helfe ich auch als Hilfstrainer, um jüngere Kids zu betreuen. Die Bahn dort ist zwar nur 360 Meter lang, aber toll, um den Sport kennenzulernen und erste Fahrten zu machen.

  • Als erster Neuseeländer im Rennrodelsport faszinierst Du logischerweise sehr viele.  Denkst Du, dass in Neuseeland ein Aufbau mit weiteren Athleten möglich ist? Gibt es Bestrebungen, eine Bahn dort zu bauen,  um vielleicht mit Sportrodeln eine Basis zu schaffen? Wo am ehesten?

As being the first „Luge- Kiwi“ you are fascinating a lot of people!  Because we’re all thinking about rugby, sailing, rafting, canoeing, football... but never about luge sports, when we hear NZL! Do you think it will be possible to create followers in your beautifull country? How? Where? Do you try to get a luge- track in NZL?

The sport is not well known in NZ and very few people know about the sport, even my close friends do not know much about it. My friends say things like ‘No one does luge in NZ it must be easy’ ‘must be easy to be world number 1 if no one does it.’ So I think there needs to be another track built in NZ in a more built up area so more people in NZ can try this sport and understand that it is more than sitting on a sled and going down a track. Most of our population lives by the coast so it is not possible to build a track there. So places like Naseby are special in that it is all done through volunters and compliments their other winter sports, ice hockey, ice skating, curling etc. It would be great to see a track built in the main winter resort of Queenstown as that would really put us in front of thousands more people, local and international.

Das NB- Rodeln ist natürlich unbekannt in NZL. Sogar meine engsten Freunde wissen nicht, worum es da geht und sticheln damit, dass man als Einziger, der das betreibt, logischerweise auch ganz vorne sein muss... Ich glaube, wir benötigen einer zweiten Bahn in dichtbesiedeltem Umfeld, um den Sport endlich bekannt zu machen. Da die grössten Städte am Meer liegen, ist ein Bahnbau mangels Schnee natürlich nicht zu machen. Aber Queenstown (touristische Hochburg mit nahegelegenem Skiresort; Anm. Alex) würde sich dafür sehr eignen! Dort gäbe es Interessenten, Publikum und Ausbauchancen. 

 

(Note – Angela Paul competed in luge for New Zealand at the 1998 and 2002 Olympic Winter Games. When in New Zealand she trained using wheeled sleds.)

 Anmerkung: Angela Paul nahm 1998 und 2002 als erste "Kiwi- Dame" als Rodlerin an Olympischen Spielen teil (folglich auf Kunstbahn). Wenn sie in NZL war, trainierte sie ebenfalls auf Rollenrodel.

  • Hattest Du in Deiner bisherigen Rodel- Laufbahn schon ernsthafte Krisen? Verletzungen oder Momente, wo Du aus andern Gründen aufhören wolltest?

In your young career, did you have moments of crises?  Times you thought: „stop!- it’s not worth it- new game“?

No not really, I was mainly in team sports having fun and often made Canterbury age group teams which had pretty good coaches! Going to Europe for the last 4 years over the NZ summer has been tough being so young and new to the travel requirements. The only down side I guess is that I‘ve gone 4 years now without a proper summer, I just go from NZ winter to winter in the alps in Europe.

Nicht wirklich, nein. Ich betrieb ja hauptsächlich Teamsportarten, wo wir grossartige Trainer hatten. So richtig hart für mich ist eigentlich nur, dass ich vom hiesigen Winter seit 4 Jahren immer grad in den europäischen Winter wechseln muss und somit schon ewig keinen Sommer mehr erleben durfte. Negativ habe ich auch das viele Reisen im jungen Alter für den Sport empfunden.

  • Wenn man Dir für einen Winter lang 3 Mädchen und 3 Jungs (alle 12 jährig) anvertrauen würde, um sie zu Rodelathleten zu formen, wie würdest Du dabei vorgehen, wenn Geld und Zeit (der Athleten) keine Rolle spielen würden und Geräte nach freier Wahl zur Verfügung stünden?

Wie sähe Dein „Team“ Ende dieses Testwinters aus? Was wären die Hauptstärken, die Du ihnen vermitteln würdest?

Imagine, you would manage 3 girls and 3 guys, all about 12 years old, during a full winter season with all sledges you want: how would you form these athletes to be succsessfull? What would be the character/ best ability of your team?

I would firstly show them videos of luge. I would coach and teach them the same way I was because I feel this was very succsessful and helped me get to where I am today and for that I would like to thank Irene Mitterstieler for being my coach for the begining of my luge career.

Encouraging healthy competition within the team will help get the best results as well.

Zuerst würde ich mit den Kids Rodelvideos anschauen! Dann würde ich die gleichen Trainings und Abläufe organisieren, wie damals Irene Mitterstieler es mit uns gemacht hat. Sie hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin, dafür bin ich ihr noch heute dankbar! Innerhalb dieses Team würde ich zu sehr viel Wettbewerbsvergleichen anregen. Wettkampf regt an!

  • Was sind Deine Hauptstärken. Weshalb fährst Du aufs Podest und andere nicht?

What is your best abiltity? Why do you win, and others do not?

I think it is just my kiwi nature being out there doing crazy things and loving that adrenaline rush you get going down a luge track getting very close to the wooden boards at the end of the corner. Always pushing myself to the limit and leaving nothing behind after a race run. Kiwi’s tend to have a pretty competitive nature as well which is an advantage, something that comes from living in a relatively small country.

 Nun, meine "Kiwi"- Haltung sagt einfach: Sei draussen, mache verrückte Dinge, liebe das Adrenalin im Blut, wenn Du die Bahn runterknallst und dabei so nahe an die Bretterwände fährst in Kurven! Ich gehe immer an die Grenze, lasse nix aus. Es liegt in unserer Natur, sehr wettkampfbetont zu leben. Das macht uns auch als kleine Nation stark.

  • Wie viel Zeit wendest Du für materielle Fragen auf, wie viel für athletische?

How much time do you invest on material things (preparation a.s.o.), how much time on athletic preparation?

I like to walk up then back down the track before my race to check out the track conditions and from there make my decision on what kind of steels I will run with on that day. I walk up the track roughy 45 minutes to an hour before my run to watch others come down before me. From then I stand at the top of the track warming up stretching thinking about what I am going to do for that run that I have been focusing on for so long. I do spend a reasonable time at the gym, being fit and feeling strong are essential to doing  well.

Ich bevorzuge es, vor jedem Rennen die Bahn einmal hoch und wieder runter zu laufen, um mir alles einzuverleiben. Dann entscheide ich über die Schiene und das Gerät. Dafür benötige ich dreiviertel Stunden, beobachte dabei auch Konkurrenten auf deren Fahrten. Danach halte ich mich im Startbereich auf, halte mich warm und fokussiere micht total auf das Rennen, denn dazu bin ich ja angereist. Grundsätzlich investiere ich sehr viel in gymnastisches Training. Fit und stark zu sein ist Grundlage, um gut zu fahren!

  • Wie wirst Du von Deinem Club und Nationalverband unterstützt? Musst Du viel eigene Mittel aufbringen, um die nächste Saison wieder zuvorderst zu sein?

How is the support from your national association? How do you pay the costs of travelling, the training and the world- cup- events?

Our national association supports us by organising our programme and travel, coordinating things with the FIL and with a small amount of financial assistance to help meet our costs. Of course they also take care of our training in New Zealand. The FIL support us financially to get to Europe and to stay there, and this is on top of some financial support I get from my family.

Unser Nationalverband hilft uns bei Reisen, Koordinationsabsprachen mit der FIL und mit kleiner finanzieller Unterstützung bei all unseren Aufwendungen. Der Verband organisiert auch die Trainings in NZL. Die FIL selber hilft uns finanziell für die Reisekosten nach Europa und die einfache Unterbringung dort. Dazu kommt noch Geldhilfe von meiner Familie. 

  • Was denkst Du übers Rollen- Rennrodeln? Der ÖRV organisiert ja jährlich tolle Rennserien. Wirst Du auch mal daran teilnehmen?

Do you know the „Rollenrodel- Cup“ of the austrian association ÖRV? Will we see Jack Leslie on Rollenrodel in the next years? What ist your opinion about this sport?

Sorry I actually wasn’t aware of that competition, looks like a lot of fun but unfortunately I don’t think I’ll be free to take part due to the timimg more than anything else.

Tut mir leid, aber mir waren diese Wettkämpfe bisher gar nicht bekannt! Es sieht aber wirklich toll aus und scheint viel Spass zu machen. Ich befürchte jedoch, dass ich dafür die Zeit nicht auch noch aufbringen kann.

  • Kann man Dich in einer sinnvollen Art unterstützen, damit Du Deine Ziele erreichen kannst. Hast Du ein „Sponsorenkonto“? Wer wäre Dein Wunsch- Sponsor?

Do you need more help to continue your career? Do you find private financial supporters in New Zealand?

Yes, certainly. However sponsorship is difficult because luge is unknown in New Zealand and never on TV. So it is hard to get sponsorship in New Zealand. Perhaps I can get a European sponsor? Hopefully my results will help secure sponsorship in New Zealand and Europe.

Ja gewiss! Da ja Rodelsport bei uns unbekannt ist, gibt's auch keine Sponsoren dafür. Auch null TV- Berichte oder sonstwas medial Brauchbares. Vielleicht kann ich aber einen europäischen Sponsor finden? Ich hoffe, dass meine Resultate dies wahr werden lassen.

  • Mit welchen Worten würdest Du unsere Jungen antreiben, diesen Sport auszuüben?

In your own words- how do you motivate our young people, to continue in this sport? How do you bring them „on top“?

Just do it, just get out and do it, don't hold back give it your all and leave nothing behind!

Mach es! Geh raus und mach es! Lasse nichts aus und gib einfach alles!

 

Herzlichen Dank für Deine freien, ungezwungenen Antworten!

Great job, Jack! Thank you very much for letting us know, how you got into that great sport. We will follow your next seasons and we hope to see you on many tracks and on the fastest lane! Good on you!

Jack Leslie am Junioren- Weltcuprennen in Kindberg.
Photo von Hermann Sobe.